Dass Basketball-Redakteure mit ihrer Einschätzung der NBA mitunter spektakulär daneben liegen können, beweist die vorliegende Geschichte: Gemäß Redaktionssitzung sollte an dieser Stelle der Niedergang der Boston Celtics besprochen und die Hintergründe des Scheiterns des Meisters von 2008 analysiert werden. Anstelle des frühen Playoff-Ausscheidens der „Big Three” gewannen die Celtics jedoch eine Runde nach der anderen, bis sie sich (zum zweiten Mal in drei Jahren) in den NBA Finals wieder fanden. Wir stellen daher das Motto um: HOOORAY for the Celtics! Bevor wir jedoch die dramatischen NBA Finals 2010 Revue passieren lassen, nehmen wir uns Zeit, zu beleuchten, warum Finalserien zwischen Boston und L.A. einen ganz besonderen Reiz haben

Text: Richard Tekula

Zunächst steht zwischen Boston und L.A. schlichtweg die Tatsache, dass es sich um die erfolgreichsten Vereine der Liga-Geschichte handelt: Die Celtics sind Rekordhalter mit 17 Titeln, gefolgt von den Lakers mit 15 (vor dem Finale 2010). In der 65-jährigen Geschichte der NBA haben Boston und Los Angeles somit rund die Hälfte der Titel unter sich aufgeteilt.

Beide Vereine sind bereits seit 1946, der Geburtsstunde des Nordamerikanischen Basketballs, in der Liga vertreten. Beide Mannschaften drückten dem Sport aber auf unterschiedliche Weise ihren Stempel auf: Boston gewann in den Jahren von 1957 bis 1969 elf Titel. Man beherrschte den Basketball also in einer Zeit, als der Sport grundsätzlich „weiß“ war und das Fernsehen noch keine große Rolle spielte. Die dominanten Spieler dieser Zeit waren Red Auerbach (Coach, vergleichbar in seinem Erfolg nur mit Phil Jackson), Center Bill Russell und Guard Bob Cousy.
L.A. war dagegen eine Macht, die zu jedem Zeitpunkt (selbst in den Jahren, als Boston fast unschlagbar war) starke Teams hatte. Die Lakers fanden immer Wege, besondere Spieler in ihre Metropole zu locken, und so gewannen mit Hilfe des Centers George Mikan von 1949 bis 1954 fünf Titel. Danach schienen sie sich immer stärker darauf zu spezialisieren, den jeweils überragenden Big Man seiner Zeit zu rekrutieren, und so übersiedelten 1968 Wilt Chamberlain, 1976 Kareem Abdul-Jabbar und 1996 Shaquille O´Neal in die Stadt der Engel. Mit ihnen kamen jeweils Titel.
Die bis heute anhaltende Rivalität beider Teams stammt aber aus den 1980er Jahren, als sich Earvin “Magic” Johnson und der Schnauzbartträger Larry Bird fortwährend in den Finals duellierten. Boston holte in den 1980ern drei, L.A. vier Titel. Man kann erkennen, wie unumschränkt diese Teams mit ihren Superstars die NBA dominierten. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde es etwas ruhiger um die erfolgsverwöhnten Mannschaften. Die Chicago-Ära war angebrochen, und ein neues Gesicht wurde zum Inbegriff der Dominanz: Michael Jordan.

 

Zwei Trades zurück zur Spitze

Vor der Spielzeit 2007/08 wurden nun zwei knifflige Deals eingefädelt, die den Scharfschützen Ray Allen und den Fordward Kevin Garnett nach Boston brachten. Die “Big Three” gewannen 2008 sogleich den Titel, indem sie L.A. mit Kobe Bryant und dem kurz zuvor aus Memphis geholten Pau Gasol schlugen. Im folgenden Jahr 2009 holten die Lakers den Titel zurück, wobei sie im Finale nicht auf die Celtics trafen (die waren im Halbfinale ausgeschieden), sondern auf Orlando.
Was auffällt, ist die Tatsache, dass sowohl Boston als auch L.A. stets über Teams verfügten, die sich konsequent von der Masse der Mitbewerber abhoben. Die NBA besteht gegenwärtig aus 30 Mannschaften, von denen 15-20 im Fegefeuer der Bedeutungslosigkeit schmoren (soll heißen, dass sie im jeweiligen Heimat-Bundesstaat bedeutend sind, darüber hinaus aber kaum Anziehungskraft entfalten: Milwaukee Bucks, Charlotte Bobcats, Memphis Grizzlies, Los Angeles Clippers sind nur ein paar der Teams, die jährlich Geld verlieren und ihre Hallen nur ausverkaufen, wenn auswärtige Topmannschaften anreisen). Die Celtics und Lakers heben sich von ihnen dadurch ab, dass ihre Besitzer jederzeit dazu bereit waren, das nötige Geld in die Hand zu nehmen, um potentielle Kassenschlager anzuwerben. Zuschauer kommen nicht nur wegen des Sports, sondern zum Bewundern der Stars – das wurde in Boston und L.A. sofort erkannt. Wenn die Superstars noch für das eigene Teams spielen – umso besser, dann entsteht eine feste Bindung zwischen Publikum und Mannschaft. Wer also großes Geld verdienen will, braucht im Idealfall

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